Die Nordsee-Zeitung hat über einen Konflikt zwischen der Stadträtin Julija Eulig und dem Jugendamt berichtet. Die Stadtverordnetenfraktion Bündnis 90/DIE GRÜNEN + P stellt sich die grundsätzliche Frage, wie es Pflegekindern und Pflegeeltern in Bremerhaven geht und wie sich der verantwortliche Stadtrat Herr Günthner dazu verhält.
„Ich fürchte, dass Probleme in der Art, wie sie zuletzt in der Presse zu lesen waren, keine Einzelfälle sind“, sagt Elena Schiller, jugendpolitische Sprecherin von GRÜNE + P. „Bei der Nordsee-Zeitung haben sich inzwischen weitere Pflegeeltern gemeldet. Die öffentliche Aufmerksamkeit, die nun auf das Thema gerichtet ist, muss jetzt genutzt werden, um die Bedingungen für Pflegefamilien zu verbessern. Vor nicht einmal drei Jahren hat die Organisationsuntersuchung im Jugendamt eine erhebliche personelle Überlastung im Amt festgestellt. Vergangenen März hat eine Anfrage von unserer Fraktion Grüne+P ergeben, dass im Bereich Pflegekinderdienst/Adoptionsvermittlung mehrere Stellen unbesetzt sind. Dabei ist es dringend notwendig, dass hier die Personalstärke erreicht wird, die vom Bericht zur Organisation des Jugendamtes nachdrücklich empfohlen wird. Nun schreibt die Nordsee-Zeitung, dass 46 Fälle bei einer Fachkraft im Amt liegen. Die Belastung der Mitarbeitenden ist also enorm. Hier steht Sozialstadtrat Martin Günthner in der Verantwortung. Er muss die Arbeitsfähigkeit des Jugendamts gewährleisten, und zwar nicht, indem er nach innen Druck aufbaut, sondern indem er genügend Ressourcen für eine gute Arbeit schafft. Im Februar 2025 hat der Fachausschuss ein Konzept zur Stärkung und Gewinnung von Pflegefamilien beschlossen. So, wie wir das Konzept verstehen, sieht es unter anderem vor, Unterstützungsangebote und fachliche Begleitung für die Pflegefamilien auszubauen und den Kontakt zum Jugendamt für die Pflegefamilien zu vereinfachen. Da werden wir GRÜNE + P in der Stadtverordnetenversammlung und im Fachausschuss nachhaken, was genau der Magistrat hier plant und ob er das Konzept auch umsetzt. Wenn die Politik jetzt nicht genau hinschaut, geht das zu Lasten der betroffenen Kinder, ihrer Familien und nicht zuletzt auch der Mitarbeitenden im Jugendamt.“
Der Fraktionsvorsitzende Claudius Kaminiarz ergänzt: „Zu Frau Euligs Vorwürfen können wir uns im Einzelnen nicht äußern. Sie sind zum Teil sehr bedrückend, aber von außen nicht hinreichend zu beurteilen. Umso mehr erstaunt es mich, dass in solch einer Situation Herrn Günthner zum Schicksal des Pflegekindes gesagt haben soll, „für uns ist das nur eine Akte“. Ich glaube nicht, dass der Stadtrat da für die Mitarbeitenden in seinem Amt spricht. Also ist das seine persönliche Sicht bzw. sein Menschenbild? Das muss Herr Günthner, der ja immerhin Oberbürgermeister werden will, dringend aufklären“, fordert Kaminiarz.
Für Rückfragen: Elena Schiller, 0176 47651207, Claudius Kaminiarz, 0179 7312466
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