Nachdem sich der Bremerhavener SPD-Vorsitzende Martin Günthner in Windeseile die Nachfolge von Oberbürgermeister Grantz gesichert hat, beschloss der Magistrat am Mittwoch einen entsprechenden Ausschreibungstext für diesen Topjob in Bremerhaven. Die Fraktion GRÜNE + P ist nun gespannt, ob die SPD-interne Kritik dieses Postengeschiebe noch aufhalten kann.
„Unser nächster Oberbürgermeister wird wohl wieder nach dem Bremerhavener Modell ernannt: erst wird ausgekungelt, wen die Partei haben will, dann formuliert der Magistrat die dafür passende Ausschreibung“, kritisiert Claudius Kaminiarz, Fraktionsvorsitzender von GRÜNE + P. „Genau drei Anforderungen stellt der Magistrat an die Granz-Nachfolge: 1. Mehrjährige Berufserfahrung in einer Spitzenfunktion in Wirtschaft oder Verwaltung. 2. Berufserfahrung in der Zusammenarbeit mit der Verwaltung. 3. Erfahrung im Umgang mit der Kommunal- oder Landespolitik. Berufsabschlüsse? Egal! Fachliche Kompetenzen? Fehlanzeige! Das Schlimmste ist, dass die Verantwortlichen sich nicht an die vorgesehenen Regeln halten und alle anderen in dieser Stadt inzwischen resigniert haben. Kaum jemand wird sich über diesen löchrigen Anforderungskatalog aufregen, weil es ohnehin eine Scheindebatte ist: Die SPD hat das Vorschlagsrecht und damit sind fachliche Kriterien nicht mehr notwendig. Man kann nur allen raten: Bewerben Sie sich nicht! Es hat eh keinen Sinn.“
Ein wenig Hoffnung setzen GRÜNE + P aber in die parteiinterne Kritik, die bei der SPD jetzt laut geworden ist. „Der offene Brief von Volker Heigenmooser, über den die Nordsee-Zeitung berichtet hat, enthält viele richtige Idee“, meint die stellvertretende Fraktionsvorsitzende Petra Coordes. „Vor allem teilen wir seine grundsätzliche Frage, wie ernst es der SPD mit der demokratischen Offenheit ist. Am 2. Januar gab OB Grantz seinen Amtsverzicht bekannt. Am 5. Januar verkündete Herr Günthner über die Presse seinen Amtswillen und am 7. Januar ließ sich der Unterbezirksvorsitzende von seinem eigenen Vorstand als Grantz-Nachfolger nominieren. So schnell ging die Suche der SPD nach einem „hervorragend geeigneten Bewerber“. Gab es keine einzige „geeignete Bewerberin“? Ist es nicht auch in Bremerhaven Zeit für eine Oberbürgermeisterin? Wie dreist die SPD-Spitzen ihrem langjährigen Parteifunktionär Günthner diesen Spitzenjob zuschieben, überbietet noch die Ausschreibungsfarce des Magistrats“, schließt Coordes.
Für Rückfragen: Claudius Kaminiarz, 0179 7312466; Petra Coordes, 0175 9902170
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